Kälteschlacht WTS Edmonton



WTS Edmonton- Kälteschlacht

Sollte hier ein Wintertriathlon stattfinden?

Solche Bedingungen, die am 06.September in Edmonton herrschten, habe ich noch nie bei einem Triathlon erlebt...

Ich dachte nicht, das ich das überleben kann!

Meine Wetter-App sagte mir eine Stunde vor dem Start: 7 Grad Aussentemperatur bei anhaltendem Regen: GEFÜHLT WIE 1-2 GRAD!!!

Und ich muss sagen- ja im Rennen hat es sich sogar angefühlt wie MINUSGRADE!

Ich wusste also was mich erwartet und dass es verdammt kalt werden würde. Also versuchte ich mich dementsprechend vorher zu preparieren!

Ich zog alles an, was ich hatte und noch Müllsäcke obendrüber, um wenigstens vor dem Start warm und trocken zu bleiben. Das warm up versuchte ich so gut es ging im Zelt zu machen. Ich kleisterte meinen ganzen Körper mit einer dicken Schicht Vaseline ein und um den Oberschenkel wickelte ich Frischhaltefolie- unter den WK Anzug zog ich ein langes Funktionsshirt an welches ich auch mit Vaseline eingeschmiert habe. Am Rad befestigte ich Handschuhe und die Radschuhe überzog ich an den Zehen mit Folie und Zehenüberschuhen.

Als die Vorereitungen endlich abgeschlossen waren, zwängte ich mich in den Neo, um warm zu bleiben bis zum Start. Das Wasser war noch das Wärmste an diesem Tag mit 16 Grad.

Dann ging es an die Startlinie...mit 60 anderen Mädels...Take your marks... und los!

Mein Start war miserabel - ich war kalt, steif und kam nicht gut in Schwung. Ich versuchte positiv zu denken umd suchte mir den kürzesten Weg. Je länger das Schwimmen dauerte, desto besser fühlte ich mich. Ich konnte mich Stück für Stück nach vorne schwimmen, auch wenn ich an der ersten Boje eigentlich schon dachte, dass ich auf verlorenem Posten sei.

Als ich aus dem Wasser stieg sah ich, dass ich am Ende der ersten Gruppe war und der Wechsel jetzt schnell gehen muss, um sicher in der Gruppe zu sitzen. Trotz einiger koordinativer Schwierigkeiten (meine Hände waren total steif von der Kälte) zog ich meinen Neo schneller aus, als die meisten und ich war safe in der ersten Gruppe.

Am Rad wurde es mit jedem Meter unerträglicher. Ich schaffte es noch meine Handschuhe anzuziehen, die aber in dem nassen Zustand nichts nutzten. In der zweiten Runde konnte ich nicht mehr richtig bremsen und schalten- ich dachte nur noch: nicht stürzen...einfach den Lenker festhalten.

Mein Kopf war leer- jede Bewegung lief nur noch verzögert ab- aber zum Glück ist ja das meiste durch vieles Training automatisiert.

Die 20 km kamen mir ewig vor- ich zitterte und klapperte nur noch am Ende- aber immerhin war ich in der Führungsgruppe mit ca 15 Mädels mit 35 Sekunden Vorsprung auf das Hauptfeld.

Kurz vor dem Wechsel zog ich meine Handschuhe mit den Zähnen aus und versuchte den Klett an den Schuhen zu öffnen, was ganz schön schwer ist, wenn man gar keine Hand mehr spürt. Wie gelähmt stieg ich vom Rad und torkelte zu meinem Wechselplatz.

Den Helm bekam ich natürlich nicht auf, also riss ich den Gurt übers Kinn und versuchte mich an den Laufschuhen. Meine Zehen standen gefühlt in alle Richtungen ab und so wollten sie nicht in den Schuh...das war ein Aufgabe, wie einen Faden durchs Nadelöhr zu fädeln...

Schließlich hatte ich dann doch beide Schuhe an und ging auf die 5km lange Laufsrecke. Ich war völlig desorientiert, wusste nicht mehr wo ich überhaupt lag und versuchte nur einen Fuß vor den anderen zu kriegen. Es war wie in einer Seifenblase- ich nahm nichts mehr um mich herum wahr- kurzzeitig hegte ich den Gedanken mich einfach auf den Boden zu legen und zu schlafen- ich war sooo müde. Mir wurde kein bisschen wärmer beim Laufen, aber dennoch schaffte ich es ins Ziel zu laufen. Ich wusste nicht auf welchem Platz aber das war mir in diesem Moment auch total egal.

 

Später sagte mir jemand, dass ich den 12 ten Platz gemacht habe- für diese Bedingungen-die mir gar nicht liegen- auf jeden Fall ein Erfolg!

Die Stunden nach dem WK waren am schlimmsten- ich habe 4 Stunden gezittert, hatte überall Schmerzen, konnte mich nicht bewegen oder artikulieren.

Diagnose: schwere Unterkühlung!

Das war einfach krass und ich möchte so etwas nie wieder erleben. Viele Athleten sind während dem Rennen zusammengebrochen - zum Glück bin ich einfach heil durchgekommen- allen anderen wünsche ich eine schnelle Erholung.

Jetzt bin ich froh einfach in meinem warmen Bett zu liegen und diesen Bericht zu schreiben...

Jetzt steht noch das letzte Rennen der WTS Serie in Chicago an- am 18 September!

Für mich geht es um den 10ten Platz in der WM-Gesamtwertung!

Bis dahin - Energie und Wärme tanken:) eure Rebecca

 

Fazit:

Das härteste Rennen, das ich je gemacht und gefinished habe